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Anleitung August 2026 19 Min. Lesezeit

Vorsteuerabzug richtig prüfen

Der Vorsteuerabzug steht und fällt mit elf Pflichtangaben, nicht mit einem Gefühl. Neun Schritte, um jede Eingangsrechnung so zu prüfen, dass sie einer Betriebsprüfung standhält, bevor sie verbucht wird.

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Was die Prüfung tatsächlich verlangtWarum der Ablauf mehr zählt als das Gesetz allein1. Rechnung im Original beschaffen2. Name und Anschrift beider Parteien prüfen3. Steuernummer oder USt-IdNr. prüfen4. Rechnungsnummer und Datum kontrollieren5. Leistungsbeschreibung und Leistungszeitpunkt prüfen6. Entgelt nach Steuersätzen prüfen7. Steuersatz und Steuerbetrag nachrechnen8. Sonderfälle erkennen9. Ergebnis dokumentieren und weitergebenEin Beispiel, von Anfang bis EndeEine druckbare ChecklisteWie lange jeder Schritt dauertHäufige Fehler, die es zu vermeiden giltWie oft das tatsächlich nötig istMit Werkzeug vs. von HandWenn dies Ihre erste Prüfung istFür wen diese Anleitung istDas für viele Rechnungen gleichzeitig tunEin kurzes GlossarAn eine andere Person übergebenRechnungen aus dem EU-Ausland prüfenEine Gegenprüfung mit anderen QuellenWenn eine Rechnung verspätet eintrifftTabelle vs. Buchhaltungssoftware vs. DokumentenlesungKleine Unternehmen vs. große UnternehmenEine jährliche Rückschau einplanenDer Sonderfall Gutschrift, im DetailElektronische Rechnungen in derselben PrüfungEine Frage aus der PraxisKurz zusammengefasstMehrseitige Rechnungen prüfenIn welchem Format das Ergebnis dokumentiert wirdEin Ausblick auf wiederkehrende PrüfungenDie häufigste Fehlerquelle, noch einmal betrachtetWenn nur ein Scan oder Foto vorliegtDie Wahl zwischen mehreren WerkzeugenRollen im Team klar verteilenWie sich die Prüfdauer mit Erfahrung verändertEin Beispiel für eine einfache DokumentationstabelleEin letzter PraxistippDie Verbindung zum JahresabschlussDer Vertretungsfall — wenn die Hauptperson ausfälltAbschließende Gedanken zu dieser AnleitungZum AbschlussErfolg messbar machenEin aller letzter SatzHäufige Fragen

Was die Prüfung tatsächlich verlangt

Die Formel hinter dem Vorsteuerabzug selbst — der ausgewiesene Steuerbetrag wird von der eigenen Umsatzsteuerschuld abgezogen — ist wenige Zeilen. Was tatsächlich Arbeit verlangt, ist zu bestätigen, dass die Rechnung, auf die sich der Abzug stützt, überhaupt zulässig ist: dass alle elf Pflichtangaben nach §14 UStG vorhanden sind.

Diese Anleitung geht Schritt für Schritt durch genau diesen Prozess, von der ersten Rechnung bis zum dokumentierten Ergebnis — egal ob von Hand auf einer Checkliste oder mit einem Werkzeug, das die Dokumente für Sie liest.

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Warum der Ablauf mehr zählt als das Gesetz allein

Zwei Unternehmen können exakt dasselbe Gesetz anwenden und trotzdem zu unterschiedlichen, falschen Ergebnissen kommen — weil das eine nur die Rechnungsüberschrift überfliegt, statt die vollständige Leistungsbeschreibung zu lesen, und das andere die Prüfung eines Vorjahres unverändert übernimmt, ohne sie erneut gegen die aktuelle Rechnung zu halten. Das Gesetz selbst ist nie das Risiko. Der Ablauf, der zu seiner Anwendung führt, entscheidet, ob das Ergebnis trägt.

1

Rechnung im Original beschaffen

Besorgen Sie die vollständige Original-Rechnung — nicht nur eine Zusammenfassung oder eine Zahlungsbestätigung. Alle elf Pflichtangaben müssen auf diesem Dokument selbst stehen.

2

Name und Anschrift beider Parteien prüfen

Vollständiger Name und Anschrift des leistenden Unternehmers und des Leistungsempfängers müssen vorhanden sein — ein Firmenname allein, ohne vollständige Adresse, genügt nicht.

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3

Steuernummer oder USt-IdNr. prüfen

Die Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des leistenden Unternehmers muss auf der Rechnung stehen. Fehlt sie ganz, ist das eine der häufigsten Ursachen für einen versagten Vorsteuerabzug.

4

Rechnungsnummer und Datum kontrollieren

Die Rechnungsnummer muss fortlaufend und einmalig vergeben sein, das Ausstellungsdatum eindeutig erkennbar. Zwei Rechnungen mit derselben Nummer deuten meist auf einen Fehler in der Rechnungssoftware des Lieferanten hin.

5

Leistungsbeschreibung und Leistungszeitpunkt prüfen

Die Beschreibung muss konkret genug sein, um die gelieferten Gegenstände oder die erbrachte Leistung zu identifizieren, und der Zeitpunkt der Lieferung oder Leistung muss erkennbar sein — dieser kann vom Ausstellungsdatum abweichen und wird deshalb leicht übersehen.

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Entgelt nach Steuersätzen prüfen

Der Nettobetrag muss nach Steuersätzen aufgeschlüsselt sein — bei einer Rechnung mit mehreren Steuersätzen genügt ein einziger Gesamtbetrag nicht. Vereinbarte Minderungen wie Skonto müssen, wenn im Voraus vereinbart, ebenfalls ausgewiesen sein.

7

Steuersatz und Steuerbetrag nachrechnen

Rechnen Sie den ausgewiesenen Steuerbetrag gegen den angegebenen Steuersatz und den Nettobetrag nach. Eine kleine Abweichung ist oft ein Rundungsfehler, eine große deutet auf einen falschen Steuersatz oder eine falsche Bemessungsgrundlage hin.

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8

Sonderfälle erkennen

Prüfen Sie, ob die Rechnung eine Kleinbetragsrechnung unter 250 Euro ist — dann gilt die vereinfachte Liste des §33 UStDV —, eine Gutschrift, oder eine Reverse-Charge-Rechnung mit dem Hinweis „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers". Jeder Sonderfall hat eigene Anforderungen.

9

Ergebnis dokumentieren und weitergeben

Halten Sie den Prüfstatus fest — vollständig oder mit welcher konkret fehlenden Angabe — und geben Sie ihn zusammen mit der Rechnung an die Buchhaltung weiter, statt nur ein mündliches „passt schon" weiterzureichen.

Ein Beispiel, von Anfang bis Ende

Eine Eingangsrechnung über 3.800 Euro netto plus 19 % Umsatzsteuer wird geprüft.

SchrittErgebnis
USt-IdNr.Vorhanden und plausibel
RechnungsnummerFortlaufend, keine Dopplung
Steuerbetrag3.800 € × 19 % = 722 € — stimmt
LeistungszeitpunktFehlt — nirgends angegeben

Der fehlende Leistungszeitpunkt wird an den Lieferanten zurückgemeldet, eine berichtigte Rechnung angefordert, bevor die Vorsteuer geltend gemacht wird.

Eine druckbare Checkliste

Name und Anschrift beider Parteien vollständig

Steuernummer oder USt-IdNr. vorhanden

Rechnungsnummer fortlaufend, Datum eindeutig

Leistungsbeschreibung und -zeitpunkt erkennbar

Entgelt nach Steuersätzen aufgeschlüsselt

Steuerbetrag gegen Steuersatz nachgerechnet

Sonderfälle (Kleinbetrag, Gutschrift, Reverse Charge) erkannt

Ergebnis dokumentiert und weitergegeben

Wie lange jeder Schritt dauert

Für ein Unternehmen mit eingespielter Routine gehen die meisten Schritte schnell, sobald die Rechnung erst einmal vorliegt — das Auffinden der Rechnung, nicht die Prüfung selbst, nimmt meist die meiste Zeit ein. Ein automatisches Lesen der Rechnung verschiebt den größten Teil dieser Zeit zu einer Minute Upload statt einer Stunde Suche in Ordnern und E-Mails.

Häufige Fehler, die es zu vermeiden gilt

Nur die Kopfzeile überfliegen

Der Leistungszeitpunkt steht oft im Fließtext, nicht in der Kopfzeile, und wird beim schnellen Überfliegen übersehen.

Die Kleinbetragsregelung falsch anwenden

Eine Rechnung knapp über 250 Euro wird fälschlich nach der vereinfachten Liste geprüft.

Reverse Charge übersehen

Eine fehlende deutsche Umsatzsteuer wird als Fehler markiert, obwohl sie bei Steuerschuldnerschaft des Empfängers korrekt fehlt.

Die Prüfung eines Vorjahres unverändert übernehmen

Eine Rechnung, die sich seit der letzten Prüfung geändert hat, wird nicht erneut kontrolliert.

Wie oft das tatsächlich nötig ist

Im Idealfall bei jeder einzelnen Eingangsrechnung, bevor sie verbucht wird — nicht nur stichprobenartig am Ende des Monats oder Quartals. Je später eine fehlende Angabe entdeckt wird, desto schwerer lässt sich eine berichtigte Rechnung noch unkompliziert beim Lieferanten beschaffen.

Mit Werkzeug vs. von Hand

Von Hand ist der Ablauf vollständig durchführbar — viele kleinere Unternehmen tun genau das. Was ein Dokumentenleser ändert, ist der Lesevorgang selbst: Statt jede Rechnung manuell durchzugehen, werden die elf Felder automatisch gelesen und strukturiert, mit einer Markierung für alles, was tatsächlich einen menschlichen Blick verdient.

Wenn dies Ihre erste Prüfung ist

Beginnen Sie mit der jüngsten Rechnung, bei der die Unterlagen am ehesten vollständig vorliegen, statt zu versuchen, sofort alle offenen Rechnungen auf einmal zu prüfen. Eine vollständig durchgeführte Prüfung liefert ein funktionierendes Muster für alle weiteren.

Für wen diese Anleitung ist

Buchhalter, die eine Verbuchung vorbereiten, Steuerberater mit mehreren Mandanten, und Geschäftsführer, die ihre Buchhaltung selbst führen, werden diesen Ablauf wiedererkennen — die Schritte sind dieselben, unabhängig davon, wer sie ausführt.

Das für viele Rechnungen gleichzeitig tun

Jede Rechnung durchläuft dieselben neun Schritte für sich — es gibt keine Abkürzung, die einen Schritt überspringt, nur weil mehrere Rechnungen zu bearbeiten sind. Was sich mit der Anzahl der Rechnungen ändert, ist, wie viel von der Lesearbeit sich mit Vorteil automatisieren lässt, nicht die Reihenfolge der Schritte selbst.

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Ein kurzes Glossar

BegriffBedeutung
PflichtangabeEine der elf gesetzlich verlangten Angaben nach §14 UStG
VorsteuerabzugDas Recht, ausgewiesene Umsatzsteuer von der eigenen Steuerschuld abzuziehen
KleinbetragsrechnungRechnung bis 250 Euro brutto mit vereinfachten Anforderungen
Reverse ChargeSteuerschuldnerschaft liegt beim Leistungsempfänger, nicht beim Lieferanten

An eine andere Person übergeben

Ein Ablauf, der nur im Kopf einer Person existiert, ist ein Risiko für jedes Unternehmen — wenn der Buchhalter fehlt, wenn die Dokumentation für eine neue Rechnung gefunden werden muss, sollte der Ablauf von einer Kollegin oder einem Kollegen anhand derselben neun Schritte und derselben gespeicherten Dokumentation fortgeführt werden können. Die Gesamtübersicht zeigt, wie das mit dem restlichen Rechnungswesen zusammenhängt.

Rechnungen aus dem EU-Ausland prüfen

Für eine Rechnung eines Lieferanten aus einem anderen EU-Mitgliedstaat gelten dieselben neun Schritte, mit einer wichtigen Anpassung bei Schritt 8: Statt eines deutschen Steuersatzes und Steuerbetrags prüfen Sie, ob der Hinweis „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers" vorhanden ist, und ob die USt-IdNr. beider Parteien korrekt ausgewiesen sind.

Eine fehlende deutsche Umsatzsteuer ist bei einer solchen Rechnung kein Fehler, sondern das erwartete Bild — der Fehler wäre umgekehrt, wenn eine deutsche Umsatzsteuer fälschlich ausgewiesen würde, obwohl Reverse Charge greift.

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Eine Gegenprüfung mit anderen Quellen

Neben der Rechnung selbst gibt es oft weitere Dokumente, die zur Kontrolle herangezogen werden können, ob eine Prüfung tatsächlich stimmig ist — ein zugrunde liegender Vertrag zeigt häufig einen vereinbarten Preis, der in angemessener Nähe zum Rechnungsbetrag liegen sollte, und eine Auftragsbestätigung kann dieselbe Zahl aus einer dritten Perspektive bestätigen.

Eine solche Gegenprüfung ist kein Pflichtschritt, aber ein zusätzliches Sicherheitsnetz, das besonders dann lohnt, wenn die Rechnung selbst schwer lesbar ist oder ein Betrag auffällig hoch oder niedrig im Vergleich zu ähnlichen Rechnungen wirkt.

Wenn eine Rechnung verspätet eintrifft

Es kommt vor, dass eine Rechnung erst eintrifft, nachdem der betreffende Buchungszeitraum bereits abgeschlossen wurde — etwa weil sie beim Postversand verloren ging oder ein Lieferant sie schlicht verspätet ausstellte. In diesem Fall wird der Prüfablauf für genau diese Rechnung nachgeholt, und das Ergebnis fließt in den aktuellen, noch offenen Zeitraum ein, statt einen bereits abgeschlossenen Zeitraum rückwirkend zu ändern.

Wichtig ist, den Grund für die Verspätung kurz zu dokumentieren — das erleichtert eine spätere Erklärung, falls eine Betriebsprüfung nach der zeitlichen Zuordnung fragt.

Tabelle vs. Buchhaltungssoftware vs. Dokumentenlesung

AnsatzWas er gut abdeckt
Tabelle alleinFür eine geringe Rechnungsmenge vollständig durchführbar
BuchhaltungssoftwareVerbuchung und Übermittlung, sobald die Zahlen feststehen
Dokumentenlesung ergänzendDie richtigen Zahlen überhaupt zuverlässig aus der Rechnung zu bekommen

Keiner der drei Ansätze ersetzt die anderen beiden — eine Buchhaltungssoftware braucht weiterhin die richtigen Zahlen eingegeben, und eine Tabelle braucht jemanden, der sie ausfüllt. Die Dokumentenlesung adressiert genau den Schritt davor: eine zuverlässige Zahl aus dem Originaldokument zu gewinnen.

Kleine Unternehmen vs. große Unternehmen

Ein Unternehmen mit einer Handvoll Eingangsrechnungen im Monat profitiert von derselben neun-Schritte- Prüfung wie ein Unternehmen mit hunderten — der Unterschied liegt allein im Zeitaufwand, nicht in der Gründlichkeit. Ein kleines Unternehmen sollte sich nicht dazu verleiten lassen, die Prüfung zu verkürzen, nur weil die Rechnungsmenge gering ist — eine fehlende Angabe kostet bei einer einzelnen Rechnung genauso viel wie bei der hundertsten.

Eine jährliche Rückschau einplanen

Über den laufenden Prüfrhythmus hinaus lohnt sich eine jährliche Rückschau, bei der eine Stichprobe bereits verbuchter Rechnungen erneut gegen die Pflichtangaben gehalten wird — ein zusätzlicher Sicherheitscheck, der ein systematisches Problem aufdeckt, bevor eine externe Prüfung es tut. Diese Rückschau lässt sich gut mit der Vorbereitung der Umsatzsteuerjahreserklärung verbinden, da ohnehin ein Blick über das gesamte Jahr fällig ist.

Der Sonderfall Gutschrift, im Detail

Bei einer Gutschrift kehren sich die Rollen um: Der Leistungsempfänger stellt das Dokument aus, nicht der leistende Unternehmer. Damit es formal als Gutschrift gilt, muss das Wort „Gutschrift" ausdrücklich enthalten sein — ansonsten gelten dieselben Pflichtangaben wie bei einer regulären Rechnung. Prüfen Sie bei jedem als Gutschrift bezeichneten Dokument zusätzlich, ob der Aussteller tatsächlich der Leistungsempfänger ist und nicht versehentlich vertauscht wurde.

Elektronische Rechnungen in derselben Prüfung

Die neun Schritte gelten unverändert für eine elektronische Rechnung — das Übertragungsformat ändert nichts an den inhaltlichen Anforderungen. Mit der schrittweisen Einführung verpflichtender E-Rechnungen im B2B-Bereich lohnt es sich, frühzeitig zu prüfen, ob die eigene Buchhaltungssoftware diese Formate bereits korrekt einliest, statt erst bei der verpflichtenden Umstellung damit zu beginnen.

Eine Frage aus der Praxis

Eine wiederkehrende Frage: Was, wenn ein Lieferant auf eine Bitte um Berichtigung nicht reagiert? In diesem Fall bleibt die Rechnung formal unvollständig, und die Entscheidung, ob und wie der Vorsteuerabzug dennoch geltend gemacht wird, sollte mit der Steuerberatung abgestimmt werden — eine dokumentierte, erfolglose Kontaktaufnahme ist dabei selbst ein wichtiger Nachweis, dass das Unternehmen die Sorgfaltspflicht erfüllt hat.

Kurz zusammengefasst

Neun Schritte, dieselbe Reihenfolge, jede Rechnung — das ist der ganze Kern dieser Anleitung. Die einzelnen Schritte sind für sich genommen einfach; was Disziplin verlangt, ist, sie konsequent bei jeder einzelnen Rechnung anzuwenden, auch wenn das Tagesgeschäft drängt.

Mehrseitige Rechnungen prüfen

Bei einer mehrseitigen Rechnung verteilen sich die elf Pflichtangaben oft über mehrere Seiten — Kopfdaten auf der ersten, Positionsliste über mehrere weitere, Summenangaben erst am Ende. Durchlaufen Sie alle neun Schritte für die gesamte Rechnung, nicht nur für die erste Seite, sonst erscheinen Steuersatz und Steuerbetrag fälschlich als fehlend, obwohl sie auf einer späteren Seite stehen.

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In welchem Format das Ergebnis dokumentiert wird

Es gibt kein vorgeschriebenes Format für die Dokumentation des Prüfergebnisses — eine Tabelle mit einer Zeile pro Rechnung und einer Spalte pro Pflichtangabe reicht für die meisten Unternehmen völlig aus. Entscheidend ist nicht die Form, sondern dass jede geprüfte Rechnung mit ihrem Ergebnis und dem Datum der Prüfung verknüpft bleibt, sodass sich der Status jederzeit nachvollziehen lässt.

Ein Ausblick auf wiederkehrende Prüfungen

Sobald die neun Schritte einmal als feste Routine etabliert sind, wird die eigentliche Herausforderung selten die Prüfung selbst, sondern die Konsequenz, sie bei jeder einzelnen Rechnung tatsächlich anzuwenden — auch an einem Tag, an dem fünfzig neue Rechnungen gleichzeitig eintreffen und die Versuchung groß ist, eine schnelle, oberflächliche Prüfung durchzuführen.

Die häufigste Fehlerquelle, noch einmal betrachtet

Über alle Schritte hinweg zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Der Leistungszeitpunkt in Schritt 5 ist die Angabe, die am häufigsten fehlt, weil sie selten in einer eigenen, klar beschrifteten Zeile steht. Wer nur diesen einen Schritt besonders sorgfältig durchführt — aktiv im Fließtext danach suchen, statt nur die offensichtlichen Felder zu prüfen —, fängt einen erheblichen Teil aller tatsächlich vorkommenden Lücken ab.

Das ist auch der Grund, warum eine automatische Lesung hier besonders viel Wert liefert: Sie sucht konsequent nach der Bedeutung dieser Angabe, unabhängig davon, wo sie im Dokument steht, statt sich auf eine erwartete Position zu verlassen.

Wenn nur ein Scan oder Foto vorliegt

Für eine gescannte oder fotografierte Rechnung gelten dieselben neun Schritte, mit einem zusätzlichen Vorbehalt: Prüfen Sie zuerst, ob der Text tatsächlich vollständig lesbar ist, bevor Sie die einzelnen Pflichtangaben kontrollieren. Eine unscharfe Stelle, die eine wichtige Angabe betrifft, sollte eher als unklar dokumentiert werden, als eine Vermutung als sicheres Ergebnis festzuhalten.

Die Wahl zwischen mehreren Werkzeugen

Für Unternehmen, die zwischen mehreren Ansätzen wählen — eine reine Tabelle, ein Modul der bestehenden Buchhaltungssoftware, oder ein eigenständiges Dokumentenlesungs-Werkzeug —, ist die entscheidende Frage nicht, welches Werkzeug am meisten Funktionen bietet, sondern welches am zuverlässigsten die elf Pflichtangaben aus den tatsächlichen Rechnungen des eigenen Unternehmens liest. Ein Test mit echten, eigenen Rechnungen liefert dafür eine bessere Antwort als jede allgemeine Beschreibung.

Rollen im Team klar verteilen

In einem Unternehmen mit mehreren Personen in der Buchhaltung hilft es, die Verantwortung für diesen Ablauf klar zuzuweisen — wer sammelt die Rechnungen, wer führt die neun Schritte durch, wer entscheidet bei einem echten Grenzfall. Ohne diese Klarheit übernimmt oft niemand konsequent die Verantwortung, und die Prüfung wird zu einer Aufgabe, die „irgendjemand irgendwann" erledigt.

Wie sich die Prüfdauer mit Erfahrung verändert

Bei den ersten Rechnungen dauert eine gründliche Prüfung nach diesen neun Schritten oft deutlich länger als später — nicht weil die Rechnungen selbst schwieriger wären, sondern weil das Muster, wonach zu suchen ist, noch nicht eingeübt ist. Nach einigen Dutzend geprüften Rechnungen wird der Blick geschulter, und viele der neun Schritte laufen fast automatisch ab, insbesondere das Erkennen der typischen Formulierungen für den Leistungszeitpunkt.

Ein Beispiel für eine einfache Dokumentationstabelle

SpalteInhalt
RechnungsnummerZur eindeutigen Identifikation
PrüfdatumWann die neun Schritte durchgeführt wurden
StatusVollständig oder konkret fehlende Angabe
BemerkungKurze Notiz zu einem Grenzfall, falls vorhanden

Eine solche Tabelle muss nicht kompliziert sein — vier Spalten reichen für die meisten Unternehmen aus, um den Prüfstatus jeder Rechnung nachvollziehbar zu dokumentieren.

Ein letzter Praxistipp

Notieren Sie sich die zwei oder drei Lieferanten, deren Rechnungen bei der Prüfung am häufigsten eine Lücke zeigen, und sprechen Sie diese gezielt an, statt jede Rechnung desselben Lieferanten immer wieder aufs Neue zu korrigieren. Ein einmaliges Gespräch über eine dauerhaft fehlende Angabe spart oft mehr Zeit als Monate wiederholter Einzelkorrekturen.

Die Verbindung zum Jahresabschluss

Eine konsequent während des Jahres durchgeführte Prüfung nach diesen neun Schritten macht die Vorbereitung des Jahresabschlusses spürbar leichter — statt am Jahresende hunderte Rechnungen rückblickend zu prüfen, liegt bereits für jede einzelne ein dokumentiertes Ergebnis vor. Der Jahresabschluss wird damit zu einer Zusammenfassung bereits geprüfter Daten, nicht zu dem Zeitpunkt, an dem die Prüfung erstmals stattfindet.

Der Vertretungsfall — wenn die Hauptperson ausfällt

Ist die Person, die normalerweise diese Prüfung durchführt, plötzlich krank oder im Urlaub, sollte eine Vertretung die neun Schritte ohne lange Einarbeitung übernehmen können. Das gelingt am besten, wenn die Schritte selbst — nicht nur das Ergebnis — dokumentiert sind, sodass eine Vertretung genau nachvollziehen kann, was bei einer angefangenen, aber noch nicht abgeschlossenen Prüfung bereits erledigt wurde.

Abschließende Gedanken zu dieser Anleitung

Diese neun Schritte sind bewusst einfach gehalten, weil eine komplizierte Prüfmethode in der Praxis seltener konsequent angewendet wird als eine einfache. Der Wert liegt nicht in der Tiefe jedes einzelnen Schritts, sondern darin, dass alle neun bei jeder Rechnung tatsächlich durchlaufen werden — eine ausgelassene Prüfung ist genauso riskant wie eine, die nie stattgefunden hat.

Zum Abschluss

Drucken Sie sich die Checkliste aus diesem Beitrag aus oder speichern Sie sie an einem Ort, den Sie bei jeder neuen Rechnung griffbereit haben — der schnellste Weg, diese neun Schritte zur echten Gewohnheit zu machen, ist, sie physisch oder digital ständig vor Augen zu haben, bis sie ohne Nachdenken ablaufen.

Erfolg messbar machen

Ein einfacher Indikator, ob die Routine tatsächlich greift, ist der Anteil der Rechnungen, die bei der Prüfung eine fehlende Angabe zeigen — sinkt dieser Anteil über die Zeit, ist das ein Zeichen, dass entweder die eigene Prüfung konsequenter wird, oder dass Lieferanten nach einer Rückmeldung tatsächlich ihre Vorlagen anpassen. Beides ist ein positives Signal, das sich mit wenig Aufwand verfolgen lässt.

Ein aller letzter Satz

Neun Schritte, konsequent angewendet, sind der zuverlässigste Weg zu einem Vorsteuerabzug, der jeder Prüfung standhält — nicht, weil die Schritte selbst kompliziert wären, sondern weil sie bei jeder einzelnen Rechnung tatsächlich durchlaufen werden müssen.

Wenn Sie nur einen einzigen Gedanken aus dieser Anleitung mitnehmen, dann diesen: Der Leistungszeitpunkt in Schritt 5 verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er am häufigsten fehlt und am seltensten aktiv gesucht wird.

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